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Immer mehr Strandungen vor deutschen Küsten

Als ich im Sommer dieses Jahres auf Sylt war und dort Schweinswale vor dem Weststrand der Insel beobachten wollte, war der einzige Fund ein totes Schweinswal-Baby. So traurig dieser Anblick war, so etwas ist leider keine Seltenheit. Jedes Jahr sterben unzählige Schweinswale und werden an der deutschen Nord- und Ostsee angespült. Die Schätzungen gehen an die Hunderte Tiere, vielleicht sind es aber auch mehr. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn nicht alle Tiere werden gefunden und nicht alle tot aufgefundenen Tiere werden gemeldet.

„Tot aufgefunden“ kann dabei auch bedeuten, dass ein Fischer einen Schweinswal ertrunken in seinem Netz findet, den Fall aber nicht meldet – aus Angst vor „schlechter Presse“. Denn der Hauptfeind des einzigen bei uns heimischen Wals ist nach wie vor die Fischerei. Destruktive Fischereimethoden wie Grundschleppnetze zerstören wichtige Lebensräume und Stellnetze töten Wale, wenn diese sich darin verheddern. Man geht davon aus, dass über die Hälfte der toten Schweinswale in Deutschland durch die Fischerei umkommt.

Und jetzt auch noch das: Das Meeresmuseum in Stralsund, das für die Untersuchung der toten Ostsee-Schweinswale verantwortlich ist, meldet eine besonders hohe Zahl an Strandungen in diesem Jahr. Nicht nur von Schweinswalen, sondern auch von Robben – und von anderen Walen.

Die ungewöhnlichen Sichtungen – etwa verirrte Buckelwale oder auch Große Tümmler – scheinen sich in den letzten Jahren zu häufen. Wir erinnern uns gerne an die Großen Tümmler Selfie und Delfie, oder auch an Freddie, die 2015 und 2016 einige Wochen lang zu Gast in der Gegend von Kiel und Eckernförde waren und rasend schnell zum Publikumsliebling wurden.

Zeit für Veränderung

Doch so schön der Besuch eines fremden Wals jedes Mal ist, so deutlich müssen wir auch sehen, dass die Ostsee kein walfreundliches Gewässer ist. Das liegt an uns Menschen. Die Meere sind krank und die toten Wale zeigen es uns (mehr als) deutlich. Die Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee ist sogar akut vom Aussterben bedroht. Jedes aus Versehen in Netzen gefangene Tier verschlimmert diese Notlage. Niemand weiß, wie viele der in diesem Jahr gestrandeten bzw. getöteten Tiere aus dieser bedrohten Population stammen, aber jeder einzelne ist zu viel. Warum so viele Schweinswale und Robben derzeit in der Ostsee sterben ist nach wie vor unklar.

Aber wir wissen längst, wo die Probleme liegen und kennen auch die Lösungen. Stellnetze müssen aus besonders sensiblen Gebieten verbannt werden. Gleichzeitig müssen dringend alternative Fischfangmethoden entwickelt werden. Schadstoffeinleitungen und Überdüngung sorgen für Krankheitsanfälligkeit der Tiere, viele Leiden unter Parasiten oder Infektionen, immer öfter findet man Plastik in Walmägen. Wir Menschen müssen unser Verhalten ändern, damit sich diese Situation im Meer verändert!

Solang aber die Politik eine so industrie- und fischereifreundliche Linie verfolgt, werden unzählige Schweinswale und andere Meeressäuger an unseren Küsten sterben. Damit gehen nicht nur die größten marinen Naturschätze verloren, die wir haben. Es geht auch das Vertrauen an eine wirksame Meeresschutzpolitik verloren. Wir können nicht länger zusehen, sondern müssen dringend handeln! Mit „Jeder“ sind wir alle gemeint – denn unser Lebensstil bedroht das Leben im Meer. Einige Tipps für Veränderungen im Alltag finden sich zum Beispiel in unserer Kampagne „Weniger Plastik ist Meer“.

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutzgebietekampagne - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.