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Die Zukunft der Windkraft

Seit Jahren beschäftige ich mich bei WDC mit der Windkraft aus Offshore-Anlagen im Meer. Windenergie, auf dem Meer gesammelt – das klingt nach einer guten Idee. Ist es auch, denn wir alle stehen ja hinter der Energiewende, zu deren Verwirklichung Windkraft zweifellos einen erheblichen Beitrag leisten kann. Wenn da nicht das Problem wäre, dass der Bau von solchen Anlagen unsäglichen Lärm macht.

Man stelle sich einmal vor, wie das Fundament einer Turbine mit acht Metern Durchmesser 30 Meter tief in den Meeresboden gerammt wird. Der dazu notwendige Hammer: so groß wie ein Hochhaus. Der entstehende Lärm: noch in zig Kilometern hörbar. Würden Sie oder ich neben einer aktiven Rammbaustelle ins Wasser gehen, der Lärm würde uns unmittelbar das Leben kosten…!

Nun können wir uns als Menschen entscheiden, das nicht zu tun. Ein Schweinswal kann das jedoch nicht. Er kann (im besten Fall) nur davon schwimmen, wobei er aus seinem angestammten Lebensraum vertrieben wird. Schweinswale reagieren auf die Rammarbeiten oft noch in über 20 km Entfernung. Derzeit werden also viele Wale in der Nordsee vertrieben, den es gibt zahlreiche dieser Baustellen – und das wird auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten so bleiben.

Zwar gibt es auf deutscher Seite (und leider nur auf dieser) einen Grenzwert, der vorschreibt, dass der entstehende Lärm auf 160 dB (in 750 m Entfernung von der Rammstelle) begrenzt werden muss. Aber das ist immer noch so laut, dass Schweinswale in zehn km Entfernung das Weite suchen. Inzwischen gibt die Industrie (in Deutschland) viel Geld für spezifische Lärmminderungsmaßnahmen aus, damit dieser Grenzwert eingehalten wird. Diese Maßnahmen sind allesamt extrem aufwändig. Trotzdem werden Schweinswale vor Beginn der Rammarbeiten zusätzlich mit lauten, vergrämenden Geräuschen aus dem unmittelbaren Umfeld einer Baustelle verscheucht.

Der ganze Lärm könnte jedoch vermieden werden! Wie ich kürzlich auf einer Konferenz zum Thema Unterwasserlärm beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen in Berlin erfahren durfte, sind die lärmärmeren – oder gar lärmfreien – Alternativen mittlerweile marktreif. Dazu gehören beispielsweise das Einrütteln oder Bohren von Fundamenten (was immerhin erheblich leiser ist als das Rammen). Seit langer Zeit beim Bau von Bohrinseln bereits angewandt, wurden diese Technologien nun an Windkraftanlagen angepasst und in Einzelfällen bereits vor Ort (d.h. im Meer) realisiert.

Am vielversprechendsten sind meiner Meinung nach jedoch diejenigen Verfahren, bei denen Lärm erst gar nicht entsteht. Hierzu gehören schwimmende Fundamente oder die ebenfalls schon erprobten sogenannten Suction Bucket-Verfahren, bei denen innerhalb spezieller Schwerkörper ein Unterdruck erzeugt wird, der das Fundament quasi in den Meeresgrund saugt. Oder aber Schwerkraftfundamente, die die Turbinen mit riesigen Lastkörpern am Meeresgrund stabil halten.

Warum werden diese Verfahren nicht breit eingesetzt? Das hat einerseits damit zu tun, dass sich die Industrie in den letzten Jahren sehr stark auf das Rammen fokussiert hat. Als gängigste Methode ist die Anwendung derzeit technisch leicht(er) umsetzbar. Die aufwändige Infrastruktur ist inklusive der Lärmminderungsmaßnahmen vorhanden. Das Umschwenken auf neue Technologien bedeutet erneute Investitionen und für viele Unternehmen auch Neuland, das mutig betreten werden muss.

Die Rolle der Politik kann – und muss – hier sein, die alternativen Technologien stark zu fördern und weitere Anreize zu schaffen, damit die Alternativen attraktiver werden. Bis es soweit ist, dass der Bau von Windkraftanlagen lärmarm oder lärmfrei über die Bühne geht, werden wohl noch etliche Jahre vergehen. Bis dahin wird sich WDC weiter dafür einsetzen, dass dieser vermeidbare Lärm im Meer irgendwann der Vergangenheit angehört. Der Natur, insbesondere den Walen, wäre so ein sehr großes Stück geholfen.

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutzgebietekampagne - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.