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World Orca Day: besondere Begegnungen

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World Orca Day: besondere Begegnungen

Ein männlicher Orca vor Island. (C) Ulla Christina Ludewig
Ein männlicher Orca vor Island. (C) Ulla Christina Ludewig
Die Sichtungen von Orcas sind so vielseitig wie die schwarz-weißen Meeressäuger selbst. In allen Weltmeeren zu Hause, kann man Schwertwale an den verschiedensten Orten antreffen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit ihnen vor Island. Dick eingepackt in einen wärmenden Ganzkörperanzug standen wir voller Erwartung an Bord eines kleinen Whale-Watching-Bootes im Westen der Insel. Ich fragte mich gerade, was zum Kuckuck ich eigentlich im Winter in Island zu suchen hatte, da tauchte er auf: ein stattliches Orca-Männchen vor teilweise schneebedeckten Bergen! Ja, allein dafür hatten sich die Anreise und das Frieren gelohnt.

Einmal „angefixt“ (der Begriff „Orcaholic“ ist mittlerweile weit verbreitet), wollte ich die faszinierenden Meeressäuger so bald wie möglich wieder sehen und reiste dafür in die USA. An der Westküste in Washington-State liegen die San Juan Inseln. Hier befindet sich einer der besten Orte weltweit, um Orcas sogar von Land aus zu beobachten. Und nicht nur „irgendwelche“ Orcas, sondern die gut erforschte und stark gefährdete Population der Southern Residents.

 

Schild im Lime Kiln Point State Park, Washington, USA. (C) Ulla Christina Ludewig

 

Natürlich kommen die Orcas dort nicht täglich zu bestimmten Uhrzeiten vorbei, man sollte also schon etwas Zeit und Geduld mitbringen. An meinem ersten Tag wartete ich am Lime Kiln Leuchtturm stundenlang  vergeblich auf die Schwertwale. Als ich gerade den letzten Bus zurück ins Städtchen Friday Harbor nehmen wollte, sah ich eine Frau mit Kamera in der Hand im Stechschritt Richtung Leuchtturm laufen. Was nun? Letzter Bus oder vielleicht Orcas? Aber wie würde ich dann zurück in die Stadt kommen? Egal – also hinterher, ebenfalls im Stechschritt Richtung Leuchtturm.

 

Lime Kiln Lighthouse, Washington, USA. (C) Ulla Christina Ludewig

 

Nach und nach kamen noch mehr Leute dazu, es schien also quasi so etwas wie einen „Orca-Funk“ zu geben. Kaum wieder am Leuchtturm angekommen, schwammen sie auch schon vorbei – die Southern Resident Orcas, genauer gesagt eine Teilgruppe davon, der J-Pod. Sie wurden angeführt von „Granny“, von der ich zuvor schon viel gehört hatte. Die Matriarchin der gesamten Population, zu diesem Zeitpunkt geschätzt um die 100 Jahre alt. Wow! Was für ein Glück!

 

Orca „Granny“. (C) Ulla Christina Ludewig

 

Einige Tage nach der wunderbaren Begegnung mit Granny und ihrer Familie hatte ich die Möglichkeit, mit einem kleinen Boot aufs Meer zu fahren und eine Forscherin bei ihrer Arbeit zu begleiten. Es gibt in den USA strikte Regeln für die Begegnung mit Meeressäugern in ihrem Lebensraum. Für die bedrohten Southern Residents gilt ein Mindestabstand von 300 Yard (ca. 274 Meter) seitlich der Orcas und 400 Yard (ca. 365 Meter) vor- bzw. hinter ihnen (gemessen an der Schwimmrichtung). Nähern sich Orcas dem Boot, muss der Motor ausgeschaltet werden, um sie sicher vorbeischwimmen zu lassen. Wir hatten an diesem Tag ein Hydrophon (Unterwassermikrofon) im Wasser und das Boot lag in gebührendem Abstand zu den Orcas auf parallelem Kurs. Die Rufe der Orcas waren klar, aber leise über das Hydrophon zu hören. Plötzlich aber hörten wir ein lautes Klicken, gefolgt von einem noch lauteren „Pffffffffffffff!“. Da hatte sich doch tatsächlich ein ausgewachsenes Orca-Männchen „heran geschlichen“ und tauchte knapp hinter dem Boot auf. Die Klickgeräusche waren seine Echo-Ortung, mit der er das Boot erfasst hatte, das „Pffffffffffffff!“ das Geräusch seiner Ausatmung.

Meine Begleiterin, die die Southern Residents bereits lange erforscht, erkannte ihn als den Orca mit der Identifizierungs-Nummer L-95, auch Nigel genannt. Er war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt. Es war eine ganz besondere Begegnung für mich und ich war sehr traurig, als Nigel nur wenig später im Alter von nur 20 Jahren verstarb.

 

Southern Resident Orca L-95, Nigel. (C) Ulla Christina Ludewig

 

Obwohl Schwertwale weltweit verbreitet sind und zu den Spitzen-Prädatoren im Ozean gehören, brauchen sie dringend unseren Schutz. Gerade die Southern Residents mussten in den letzten Jahren schwere Verluste innerhalb ihrer Gemeinschaft verkraften – die Population besteht inzwischen nur noch aus 72 Individuen. Sie sind durch die Verschmutzung ihres Lebensraums, Störungen durch Schiffsverkehr und vor allem Nahrungsmangel bedroht. Denn auch ihre Hauptnahrung, der Königslachs, ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. WDC setzt sich unter anderem dafür ein, dass Dämme wieder abgerissen werden, die den Lachsen aktuell den Weg zu ihren Laichgebieten versperren. Meine Kollegin Colleen, an der Westküste der USA ansässig, arbeitet unermüdlich daran, besseren Schutz für die Southern Residents zu erreichen.

Jedes Jahr zum World Orca Day ist es mir ein besonderes Anliegen Aufmerksamkeit für diese schönen, aber akut bedrohten Wale zu schaffen. Ich erinnere mich gerne an meine ersten Begegnungen mit Granny und Nigel zurück und bin froh, dass wir bei WDC zum Schutz dieser Population beitragen können.

Sie möchten mit uns Orcas schützen?

Auch die Northern Residents an der kanadischen Westküste benötigen dringend Schutz, da sie verschiedenen Bedrohungen ausgesetzt sind. Ähnlich wie bei den Southern Residents ist die Population vor Kanada vor allem durch Wasserverschmutzung, Unterwasserlärm und Schiffsverkehr sowie Nahrungsmangel gefährdet. Mit Ihrer regelmäßigen Spende, können wir mehr über die Wale und ihre Lebensräume erforschen und uns mit diesem Wissen dafür einsetzen, dass Schutzgebiete für die Orcas eingerichtet werden.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Ulla Ludewig

Über Ulla Ludewig

Projektreferentin - Ulla Christina Ludewig setzt sich im deutschen und internationalen WDC-Team für die Schließung von Delfinarien und verantwortungsbewusste Wal- und Delfinbeobachtung ein.

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