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Der Grüne Wal – der größte Klimaschützer unseres Planeten

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Das vergangene Jahr hat es einem nicht immer leicht gemacht, positiv und hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. Zu Artensterben und Klimakrise kam die Corona-Pandemie – eine schmerzhafte Demonstration der Realität, der wir uns gegenübersehen, wenn die Zerstörung unseres Planeten weiter voranschreitet. Doch trotz aller Unsicherheiten und Zweifel gibt es gigantisch große Gründe, mit Zuversicht auf die Zukunft der Welt zu blicken: Wale sind unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben.

WDC beschäftigt sich seit gut zehn Jahren mit der wichtigen Rolle, die Wale für die Gesundheit der Meere und des Klimas spielen. Mit unserer neuen Kampagne "Der Grüne Wal – Walschutz ist Klimaschutz" möchten wir nun dazu beitragen, dass diese Rolle einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird und als zentraler Aspekt in die globalen Klimaziele aufgenommen wird.

Wie meine Kollegin Regina Asmutis-Silvia vor einigen Jahren schrieb, tummeln sich vor der Küste Neuenglands jeden Sommer um die 2.000 Wale, die sich dort zur Nahrungssuche aufhalten. Ein einziger Finnwal scheidet ungefähr 970 Liter Urin pro Tag aus. Das sind knapp 2 Millionen Liter Pipi pro Tag, nur von Finnwalen! Dazu kommen etwa 1.000 Buckelwale, 300 Nordatlantik-Glattwale, 3.000 Zwergwale, einige hundert Seiwale und Tausende von Delfinen. Und das ist nur das "kleine Geschäft" – dazu kommt jedoch auch das große, äußerst nährstoffreiche "Geschäft" dieser Klimakolosse.

 

Wale durchmischen den Nährstoffhaushalt der Meere

Nährstoffe werden im Meer mit der Wassersäule von unten nach oben und auch ozeanübergreifend transportiert. Die Nahrung von Walen befindet sich oft weiter unten im Meer, ihre Ausscheidungen hinterlassen die sanften Riesen jedoch an der Wasseroberfläche. So werden Nährstoffe vom Meeresgrund an die Oberfläche verlagert, wo sie winzigen pflanzenartigen Organismen, dem sogenannten Phytoplankton, als Nahrung dienen.

Diese mikroskopisch kleinen Pflanzen, die in den oberen Schichten der Meere leben, nehmen CO2 aus ihrer Umgebung auf und wandeln es in Sauerstoff um. Das pflanzliche Plankton produziert mittels Photosynthese so mindestens die Hälfte des Sauerstoffs unserer Atmosphäre. Gleichzeitig stellt es die Basis der Nahrungsnetze im Meer dar: Phytoplankton ist Nahrungsquelle für tierisches Plankton (das Zooplankton) welches dann wiederum Fischen und Walen als Nahrungsgrundlage dient. Mehr Wale bedeuten also mehr Plankton und mehr Fisch.

 

Wale speichern Kohlenstoff – das sogenannte "Blue Carbon"

Wale sinken nach ihrem  Tod  auf  den  Meeresboden und übernehmen auch dann noch eine wichtige Rolle im Ökosystem: Ihre Körper bestehen zu einem großen Teil aus Kohlenstoff, der sich folglich nicht mehr zu dem klimaschädlichen CO2 verbinden kann. Am Meeresgrund wird der Kohlenstoff im Walkadaver von zersetzenden Organismen aufgenommen und im Sediment weiter gespeichert. Etwa drei Millionen Wale – 3.000.000 ! –  sind  jedoch allein  im  20.  Jahrhundert  dem  industriellen  Walfang  zum  Opfer gefallen und wurden dem natürlichen Kreislauf entrissen. Laut aktueller Studien speichern die weltweit verbliebenen Großwale als direkte Folge des Waltötens rund neun Millionen Tonnen Kohlenstoff weniger als vor dem Walfang. Alternativ würde eine allmähliche Erholung der Walbestände die Entfernung  von  rund  200.000  Tonnen Kohlenstoff pro Jahr aus dem Kreislauf bedeuten, was etwa der Kohlenstoffspeicherung von 110.000 Hektar Wald entspricht.

 

 

Salt – 30 Tonnen lebendiger Klimaschutz

Zu Beginn der Kampagne möchte ich einen dieser Klimagiganten persönlich vorstellen: Salt, eine Buckelwaldame mit bewegender Geschichte.

WDC-Patenwal Salt wurde 1975 zum ersten Mal eindeutig identifiziert. Damals war sie noch ganz jung, heute ist sie vielfache Mutter und Großmutter. Ihren Namen erhielt sie wegen der weißen Zeichnung auf ihrer Rückenflosse (Finne), die an eine Salzkruste erinnert. Wenige Monate, nachdem Salt ihren Namen erhalten hatte, wurde sie in ihren Winter-Gewässern in der Karibik erneut gesehen. Sie leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung, denn durch sie erfuhr man endlich, wohin die Wale jedes Jahr zum Winterbeginn wandern: In die warmen Gewässer in der Nähe des Äquators, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen, die nächste Generation dieser mächtigen Klimaingenieure.

 

Salt übernimmt im Ökosystem Meer verschiedene Funktionen

Salt ist ein echter "Familienwal": Im Laufe ihres Lebens ist sie bereits 15-mal Mutter geworden, mittlerweile 17-fache Großmutter und sogar 3-fache Urgroßmutter! Sie hat also eine ganze Familien-Dynastie gegründet und sorgt so für den Fortbestand ihrer Artgenossen im Golf von Maine (USA). Sie alle schützen als Ökosystem-Ingenieure das Meer, mitsamt seiner Funktion als Klimapuffer. Das zeigt, welchen Unterschied es machen kann, ob ein Wal überlebt oder stirbt.

Salt hat mit ihrer Familie und ihren Artgenossen ausgeklügelte Jagdtechniken entwickelt, um an Fisch zu gelangen. Eine davon nennen wir "Bubblenet-Feeding" oder Blasennetz-Fang, was so viel wie Fischen mit einem Netz aus Luftblasen bedeutet. Beim Blasennetz-Fang schließen sich meist mehrere Wale zusammen und umkreisen einen Fischschwarm spiralförmig. Sie stoßen dabei unter Wasser Luftblasen aus, die sich wie ein Netz um die Fische schließen. Die Buckelwale schwimmen dann mit geöffnetem Maul direkt durch den eingeschlossenen Fischschwarm hindurch und vertilgen dabei mehrere Hundert Fische. An der Wasseroberfläche erkennt man diese Jagdmethode zunächst als einen großen Kreis bzw. einer Spirale aus Luftblasen. Wendet Salt diese Jagdtechnik an, verwirbelt sie so die Wasserschichten mit dem Ergebnis, dass sich Nährstoffe innerhalb der gesamten Wassersäule verteilen. So wird das Ökosystem im Gleichgewicht gehalten.

Salt ernährt sich von Krill und Fisch in den Tiefen der Ozeane. Für ihre Ausscheidungen kommt sie dann an die Meeresoberfläche und düngt dort das Phytoplankton. Forscher*innen kamen außerdem 2014 zu dem Schluss, dass die reichen Nähr- und Mineralstoffe im Walkot, wie z.B. Eisen, dabei helfen, die Fischbestände zu erhalten. Mit ihren Ausscheidungen fördern die Wale also gesunde Meere in ihren Nahrungsgebieten.

Salts bewegtes Leben dauert nun schon über 40 Jahre an – und damit ist sie "erst" in ihrer Lebensmitte angelangt. Buckelwale können bis zu 80 Jahre alt werden. Salt und ihre Familie müssen Jahr um Jahr Gefahren, wie Kollisionen mit Schiffen und dem Verfangen in Netzen oder Leinen, trotzen. Auch verändert sich ihr Lebensraum aufgrund des Klimawandels.

Nach ihrem Tod wird auch Salt einmal auf den Grund des Meeres sinken und dort den Kohlenstoff, der im Laufe ihres Lebens in ihrem Körper gespeichert wurde, für lange Zeit binden. Gleichzeitig wird sie neues Leben schaffen – als Oase für Kleinstlebewesen am Meeresboden, die wiederum als Nahrungsquelle für größere Tiere fungieren. Der Kreislauf des Lebens beginnt von neuem und Salt trägt während ihres gesamten Lebens – und sogar darüber hinaus entscheidend dazu bei.

Wir müssen jedoch nicht nur dafür sorgen, dass die Walpopulationen weiter wachsen, sondern auch dafür, dass sie dauerhaft gesund bleiben.

Denn das Herausreißen jedes einzelnen Wals aus seiner ökologischen Rolle, ob durch Walfang, Kollisionen mit Schiffen oder durch Beifang in Fischernetzen, fällt letztendlich auf uns selbst zurück.

Der Grüne Wal soll, stellvertretend für alle Walarten im Ozean – ein breites öffentliches Bewusstsein für die immense Wichtigkeit eines wirksamen und ganzheitlichen Meeres- und Walschutzes schaffen. Der Erhalt des Ozeans sowie die Erholung und das Weiterbestehen gesunder Walbestände müssen als zentraler Teil der globalen Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels angesehen werden. Salt und ihr bewegtes Leben sind dafür ein starkes Argument.

 

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die Buckelwale und das Klima zu schützen.

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Über Astrid Fuchs

Astrid Fuchs leitet bei WDC Deutschland den Bereich Policy und strategische Entwicklung. Daneben koordiniert sie die EU-Arbeit und betreut die Bereiche Walfang und Delfinarien.

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